Knotenpunkt
Knoten, Flechtwerke und flechten


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Die Menschen werden schon seit den ältesten Zeiten von Gegenständen umgeben, zu deren Anfertigung es notwendig ist, dass man Knoten machen und flechten kann. Alle Materialien, die in der Natur aufgefunden werden können und biegsam genug zum Knoten und zum Flechten sind, erschienen um die Wohnhäuser und in den Wohnhäusern, in den landwirtschaftlichen Nebengebäuden, in verschiedenen Handwerken, in Formen der Gebrauchsgegenstände und den Kunstgegenständen des Alltagslebens.

Weidenhaine von József Oláh, Rutenflechter aus Tószeg (1996)

Auf der ganzen Großen Ungarischen Tiefebene (Alföld), so auch auf dem Gebiet des heutigen Komitats Jász-Nagykun-Szolnok, sicherten die riesengroßen Wiesen, die Wälder in den Überschwemmungsgebieten an den Flüssen (Theiss, Körös, Zagyva) und die bebauten Felder den Werkstoff für die Arbeit mit Ruten, Binderrohr, Rohr, Liesch, sowie mit Maisstroh, Hanf, Stroh und Mohrhirse (Sorgho).

Die Menschen, die in einer traditionellen Gesellschaft lebten und alles, was Wiesen, Wälder, Felder und Wasser bieten konnten, benutzten, hielten es für natürlich, die reichlich zur Verfügung stehenden Materialien zu sammeln und zu verarbeiten. Die aus diesen Werkstoffen gemachten Gegenstände wurden von ihren Herstellern benutzt, bzw. - wenn es sie im Überschuss gab - gegen andere Waren getauscht oder verkauft.

Die Reuse wird ins Wasser gesetzt (Kisköre, 1982)

Aufgrund der von den Archäologen freigelegten Siedlungsreste auf dem heutigen Gebiet des Komitats wissen wir, dass "patics", also Bauwerke mit Pfahlgerüst mit geflochtenen und mit Lehm verschmierten Wänden aus in den Wäldern oder am Fluss gesammelten Weiden-, Birken- und Haselnussruten schon in der Arpadenzeit (1000-1301) gemacht wurden. Deren Anfertigung war einfach: Die in den Boden getriebenen Pfähle waren "die Kettenfäden", an die "der Schuss", d. h. die Ruten und Zweige, ohne Muster oder mit einem sehr einfachen Muster geflochten wurde. Die Zäune und Tore von Wohnhäusern, Kirchen und Höfen wurden später auf die gleiche Weise gemacht.

Auf das Flechten von Gegenständen aus grünen, ungeschälten Ruten, d. h. das Flechten von Rutenbesen, Ruteneggen und einfachen Tragkörben für Holz oder Kartoffel verstanden sich die meisten Bauern. Diese Arbeiten wurden im Allgemeinen nach Beendigung der großen landwirtschaftlichen Saisonarbeiten, hauptsächlich im Winter, in Heimarbeit gemacht.

Zum Flechten von Gegenständen, die in Rahmen geflochten werden, z. B. von Türen, Wagenkörben, Wagenseiten und von runden oder eckigen Körben, Reusen und Buckelkörben brauchte man mehr Fachkenntnisse. Diese Produkte wurden von Bauernspezialisten hergestellt, deren Fachkenntnisse in der Gesellschaft bekannt waren. Bei der Erwerbung dieser Fachkenntnisse spielten die Traditionen in der Familie eine große Rolle, aber manche erlernten den Beruf und die in diesem benötigten Griffe und Kenntnisse bei berühmten Meistern oder auf verschiedenen Kursen.

Die wichtigsten Werkzeuge bei der Arbeit mit den Ruten sind die Hände des Handwerkers. Früher haben die Bauerspezialisten die Tragkörbe auf oder zwischen ihren Knien geflochten. Seit den 1930er Jahren werden Bänke und einfache Messer und Werkzeuge (Nadel) aus Eisen fürs Korbflechten benutzt.

Schilfkorb „gyékénykupujka”,
verstärkt mit gespaltenen Ruten (Karcag)

Die Wildgerten, die verschiedenen Weidenbäume, die vielseitig benutzt werden, pflanzten sich ursprünglich auf ihrem Lebensraum natürlicherweise fort; als aber das Rutenflechten über den Rahmen der häuslichen Selbstversorgung hinauswuchs und sich die Heimatsindustrie und die Fabrikindustrie entwickelten, wurden die Weidenhaine, besonders die am Ende des 19. Jahrhunderts angepflanzten amerikanischen Weiden und Goldweiden gepflegt, gereinigt, gehackt und durch Stecklinge vermehrt. Am Rande der Dörfer an der Theiss und im Theisswinkel (Tiszazug), in den Überschwemmungsgebieten, in den Außengärten der Dörfer in Großkumanien (Nagykunság) und in Jazygien (Jászság) gab es damals große Weidenplantagen.

Eine ziemlich neue Form der Verwendung der Ruten ist die Arbeit mit geschälten, gekochten, manchmal gefärbten und gespaltenen Weidenruten. Die in Serien hergestellten Körbe, Körbchen, Objekte für Aufbewahrung im Zimmer und geflochtene Möbel waren weiterhin handgemacht. Es ist aber charakteristisch für sie, dass ihre Flechtenmuster viel abwechslungsreicher und sorgfältiger sind, als die der früheren Gegenstände. Diese Gegenstände sind nicht mehr Bestandteil des bäuerlichen Haushalts, sondern die der modernen Gegenstandskultur und Innenarchitektur. Heutzutage beschäftigen sich manche Meister im Komitat Jász-Nagykun-Szolnok hauptsächlich mit dieser Form der Arbeit.

Pferdehirt „csikós” mit seinem Pferd,
das ein zum Lasso ähnliches Seil „árkány” um seinen Hals hat
(Rekonstruktion, Kisújszállás, 2005)

In unserer Gegend war die Anfertigung von hohen Gefäßen, die mit Spiraltechnik geflochten waren, die häufigste Form der Arbeit mit der Binse. Diese in der Landwirtschaft oder im Haushalt verwendeten Gegenstände waren reich an Form: kegelförmige Bienenkörbe, Vorratsgefäße mit Deckel und mit engem Mundloch, Backkörbe, und beim Brotbacken verwendete, oben weite Körbe für die Laibe.

Während die meisten aus Binsen geflochtenen Gefäße nicht verziert waren, bekamen die Gebrauchsgegenstände im Zimmer, z. B. die Schachtel für Nadel, Tabakhälter, Löffelhälter angeflochtene oder löcherige Muster.

Fast in jeder Gemeinde lebten einige Personen, die mit dieser Arbeit vertraut waren, aber die Backkorbflechter von Tiszafüred, Karcag und Nagyrév waren besonders berühmt.

Die Verarbeitung der Getreidehalme, des Weizenstrohs und des gröberen Roggenstrohs erfolgte mittels zweier verbreiteter Methoden: das Flechten aus Fäden und das Strohflechten aus Strohbändern aus mehreren Halmen.

Die einfachen Kinderspielzeuge, Ziergegenstände und Erntekränze wurden aus zusammen geflochtenen Getreidehalmen gemacht. Unter den vielfältigen Mustern waren die kreisrund geflochtenen Muster die beliebtesten. Die schönsten, kompliziertesten, mit Sträußen aus Weizenähren geschmückten, großen Erntekränze waren auch so gemacht. Die andere Methode der Verwendung des Strohs, bzw. des Liesches als Ersatz für Stroh war, hohe Vorratsgefäße oder Bienenkörbe aus den zum Strang gedrehten Materialien mit Spiraltechnik zu flechten. Die Vorratsgefäße für Körnerfrüchte oder Eier, die mit dieser Methode gemacht wurden, wurden "toboz", "doboz", "kubuz" oder "tubuz" in Jazygien (Jászság) und "kupujka", "tupujka", "pupujka" um Szolnok, in Großkumanien (Nagykunság) und im Theisswinkel (Tiszazug) genannt.

Károly Roskó, Seiler (Öcsöd, 1970-er Jahre)

Die Wand eines Gefäßes aus Stroh, das mit Spiraltechnik geflochten und mit Ruten gestärkt wurde, war so stark, dass ganz große Vorratsgefäße für Körnerfrüchte in Jazygien (Jászság) mit dieser Technik gemacht wurden.

Das Maisstroh (aus den Maisschalen) selbst ist für die Anfertigung von größeren Gebrauchsgegenständen nicht geeignet, jedoch wurden daraus meistens Hausschuhe, Taschen und Matten geflochten oder Spielzeug für Kinder gebunden. Eine weit verbreitete Nutzung dieses Materials bestand darin, die Sitzfläche der einfachen, zu Hause gemachten Stühle und die Liegefläche der einfachen Betten ("dikó", "vacok") aus ihm zu flechten.

Flechten und Knoten sind natürliche Arbeitsgänge von zahlreichen anderen Berufen und Handwerken. Die Fischernetze, die Dohnen (Fangschlingen) und Schlingen beruhen auf Knoten. Die Waren der Seiler, die traditionell aus Hanf gedreht sind, die geflochtenen Muster der Hefezöpfe, die dekorativ geflochtenen Haare von Frauen und Männern, die Ziergespinste der Ledergalanteriearbeiter, die Silbergespinste der Silberschmiede sind ein Zeugnis für die Harmonie zwischen den Händen der Menschen und den biegsamen Materialien.


Zsolt Pusztai